Freiwillige Feuerwehr Storkow – Groß Eichholz

Einsatz 29/2020, 26.12.2020, 17.20 Uhr, Verkehrsunfall mit Personenschaden



Als die Sirene die Ruhe des späten Nachmittags stört, leuchtet eine zweizeilige Alarmmeldung auf: H:VU-mit-P Storkow (Mark) Bugk OV L741 Bugk – Storkow. „Verkehrsunfall mit Personenschaden“ lautet die Übersetzung für das Einsatzstichwort. Jetzt nur keine Zeit verlieren, Einsatzbekleidung anziehen, in die Kabine des Löschfahrzeuges springen. Der Einheitsführer blickt nach hinten, verschafft sich ein erstes Bild über die Gruppenstärke. Auf der Anfahrt schießen uns die Gedanken nur so durch den Kopf. Hoffentlich nichts Schlimmes. Vielleicht nur ein Autofahrer, der mal wieder die Kurve übersehen hat und mit ein paar Blessuren davon kommt. Patient versorgen, Fahrzeug aufrichten, Ölspuren beseitigen. Das ist Routine für uns Feuerwehrmänner und -frauen. Als es kürzlich zu so einem Unfall kam, waren wir froh, dass sich der Fahrer mit eigenen Kräften aus seinem Auto befreien konnte. Doch der vor uns liegende Einsatz soll anders sein…

Kaum haben wir das Ortsausgangsschild von Bugk passiert, sehen wir schon Fahrzeuge mit eingeschalteten Warnblinkanlagen. Eines davon sieht besonders schlimm aus. Die Windschutzscheibe ist eingedrückt. Auf der Fahrerseite klafft am Kotflügel ein großes Loch. Im Auto sitzt niemand. Wir fahren weiter. Nach gut 500 Metern kommen wir zum Stehen. Der Einheitsführer meldet sich beim Einsatzleiter, während wir auf weitere Instruktionen warten. Rettungs- und Notarztwagen sind vor Ort, auch ein Hubschrauber aus Berlin ist angefordert. Zusammen mit Kameraden anderer Wehren bauen wir eine Beleuchtung auf. Weitere Kräfte rücken nach. Als das Flutlicht angeschaltet ist, offenbart sich ein Trümmerfeld. Auf der Straße liegen Fahrzeugteile und ein Schuh. Am Straßenrand erkennen wir eine leblose Person, die bereits vom Notarzt abgedeckt wurde. Ein Mensch, der von einem Moment auf den anderen auf dem Leben gerissen wurde.

Wir halten uns am Löschfahrzeug bereit. Der Stromerzeuger knattert vor sich hin, die Blaulichter strahlen weit in den dunklen Wald. Es wird ein langer Abend. So viel ist sicher. Kommt ein Mensch bei einem Unfall ums Leben, übernehmen Kriminaltechniker, Kripobeamte und Unfallgutachter die Ermittlungen. Betroffen stehen wir da, blicken auf das Szenario. Allmählich sickern bis zu uns Informationen durch, was passiert ist. Als wir erfahren, dass unsere Kameraden aus Bugk von der Einsatzstelle abgezogen werden, ahnen wir nichts Gutes. Innerhalb weniger Minuten wird klar, um wen es sich bei dem Verstorbenen handelt. Es ist ein Kamerad aus unserer Storkower Feuerwehrfamilie, gerade 21 Jahre alt. In den Onlinemedien ist später von einem tragischen Verkehrsunfall zu lesen. Drei Absätze, verfasst in nüchternem Polizeideutsch. Für einige von uns aber bricht jetzt eine Welt zusammen. Notfallseelsorger werden alarmiert, weitere Kameraden aus dem Dienst entlassen und im Feuerwehrgerätehaus von Bugk betreut. Sie haben gerade ihren besten Freund verloren.

Erst nach Stunden sind die Untersuchungen vor Ort abgeschlossen. Wir sammeln Fahrzeugteile ein, reinigen die Straße. Was wir finden, kommt in einen blauen Plastiksack, der später an die Polizei übergeben wird. Als wir fertig sind, machen wir uns auf den Weg zum Feuerwehrgerätehaus in Bugk. Vor der Fahrzeughalle haben die Kameradinnen und Kameraden sowie Freunde eine Kerze aufgestellt. Die Blicke sind auf das flackernde Licht gerichtet. Am Rande stehen drei Notfallseelsorger. Minutenlang schweigen wir. Es gibt keine Antwort auf die Frage nach dem Warum, sagt eine der Seelsorgerinnen mit leiser Stimme. Wir müssen lernen, mit dieser schrecklichen Realität klarzukommen. Das Wichtigste sei jetzt, für die Familie des Kameraden da zu sein, vor der eine schwere Zeit liegt, und sich gegenseitig zu stützen.

Ein junger Mensch wurde aus dem Leben gerissen. Einer von uns, der anderen half. Einer, auf den man sich verlassen konnte und dem die ganze Welt noch offenstand. Auch Stunden nach diesem schrecklichen Unfall fehlen den meisten von uns die Worte.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Bei seinen Freunden. Und bei unseren Kameraden in Bugk. Ruhe in Frieden!

Die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Groß Eichholz.